HWI Hilfswerk Indien e.V.
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Das indische Schulsystem ist das zweitgrößte der Welt. Noch heute ist es sehr stark von der ehemaligen britischen Kolonialmacht geprägt. Nicht nur die landesweit üblichen Schuluniformen sind Kennzeichen dieses Einflusses.  Auch der Aufbau des Bildungssystems geht auf diese Wurzeln zurück. Seit 1986 gibt es eine landesweit verbindliche Grundstruktur der Schulbildung, die sogenannte Zehn-Plus-Zwei-Struktur.

Im Rahmen dieses Systems herrscht heutzutage Schulpflicht von 6 bis 14 Jahren. Festgeschrieben wurde das im Jahre 2010. Damals trat der „Right of Education Act“ in Indien in Kraft. Er schreibt unter anderem die kostenlose und verpflichtende Schulbildung für die genannte Altersgruppe vor. Seit 2010 ist auf dem Papier der Bildungszugang für alle Kinder festgelegt, und zwar unabhängig von Geschlecht,  Kastenzugehörigkeit oder einer sozialer Gruppe. Mit diesem Gesetz will man die Schulbesuchsquote der Kinder erhöhen. Nach Schätzungen gehen zwischen 10 und 12 Millionen überhaupt nicht in die Schule. Jedes zweite Kind scheidet noch vor Erreichen der 5. Klasse wieder aus der Schule aus.

 

Die konkrete Ausgestaltung und Umsetzung der verbindlichen gesetzlichen Vorgaben ist ähnlich unserem Schulsystem Aufgabe der einzelnen Bundesstaaten und Territorien. Deshalb sind  große Unterschiede im Schulwesen landesweit festzustellen. Auch der Beschluss aus dem Jahre 2010 ist noch längst nicht von allen Bundesstaaten umgesetzt worden. Durch solche und andere Unterschiede  weichen die Zahlen  über Schulabbrecher, Analphabetenquote, Schüler-Lehrer-Relation usw. je nach Region stark voneinander ab.

 

Welche Schulbildung die Kinder und jungen Menschen konkret erhalten, hängt real sehr oft nicht nur  vom Bildungssystem des Bundesstaates ab, sondern tatsächlich  auch von der Kastenzugehörigkeit, dem Geschlecht und der sozialen Gruppe ab.

Das indische Schulsystem ist gegliedert in Primary Schools (Jahrgangsstufen 1 bis 8;  bis zum  14. Lebensjahr) und Secondary Schools (Stufen 9 bis 12; bis zum 18. Lebensjahr).

Die Grundschule (primary school) umfasst die Jahrgangsstufen 1 bis 5. Die Hauptschule (upperprimary school) besteht aus den Stufen 6 bis 8. Die Sekundarstufe I  (lower secondary) bilden die Stufen 9  bis 10. Dann folgt die Sekundarstufe II (higher secondary) mit den Stufen 11 bis 12. Am Ende der 10. Stufe und am Ende der 12. Stufe finden besonders wichtige Prüfungen statt (Secondary School Certificate und Higher Secondary Examination). Das Sitzenbleiben wurde in der Stufe 1 bis 8 abgeschafft. Bis zur 10. Stufe bleiben alle Schüler zusammen. Offiziell sind öffentliche Schulen kostenlos. Häufig werden aber Aufnahmegebühren verlangt.

 

Zum Hochschulstudium an einer der 656 Universitäten oder über 33.000 Colleges  berechtigt der erfolgreiche Abschluss der 12. Jahrgangsstufe. An den Universitäten und Colleges gibt es normalerweise dreijährige Bachelor-Studiengänge, darauf aufbauend zwei Jahre bis zum Master und weitere zwei bis drei bis zum Doktorand. Die Unterrichtssprache ist entweder die Lokalsprache (z.B. Hindi, Kannada, Tamil) oder Englisch.

Trotz gesteigerter Bildungsausgaben ist die Schulinfrastruktur mangelhaft:

Gut ausgebildete und hoch motivierte LehrerInnen sind an den öffentlichen Schulen die absolute Minderheit. Häufig fehlen sie im Unterricht. Bemängelt werden  auch  die Lehr- und Lernmethoden, die im öffentlichen  Schulsystem häufig veraltet sind. Die Klassenstärke kann durchaus bei 50 bis 60 Schülern liegen. In Gujarat beträgt z. B. die Schüler-Lehrer-Relation 1:79. Dadurch ist der Lerneffekt nicht so ideal. Die Kontrolle der Anwesenheit ist trotz Schulpflicht selten. Der Lärmpegel ist sehr hoch, da häufig auch einige Klassen zusammen unterrichtet werden. Spiegel dieser Zustände ist der Rückgang der Schulleistungen. In Umfragen (Annual Status Report), die seit 2005 durchgeführt werden, wurde dieser Leistungsrückgang festgestellt. Dies erklärt die starke Nachfrage bei den Privatschulen, die in der Bevölkerung als hochwertiger wahrgenommen werden. Diese unterrichten in Englisch. Ein weiterer Grund für den Run auf solche Schulen.

 

 

Auszug aus : Werner Albicker und Martina Albicker "Die Inderin: Mittelalterliche Leibeigene, Prinzessin und moderne Managerin" S.34 f.

 

Unsere Projektschulen im indischen Schulsystem
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Schulen für Kinder mittelloser Eltern und Waisenkinder

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Haldenstraße 29
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Tel. 0711 / 70 41 50

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Vertretungsberechtigter Vorstand: Ingrid Albicker,

Beate Embacher

 

 

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